Donnerstag, 11. Mai 2006

Leid und Oberflächlichkeit

Wie die Dinge sich wohl anfühlen,
wenn sie denn noch ganz wären?


Eine wohl eher rhetorische Frage von Kettcar, die aber trotzdem dazu anregte sich mal wieder auf mein geliebtes "Was wäre wenn?"-Spiel einzulassen. Was wäre, wenn mein Selbstwertgefühl, mein Vertrauen - also wohl eher meine Naivität - gegenüber allen Menschen noch ganz wäre? Was wäre, wenn ich nie negative Erfahrungen gemacht hätte, nie auf die Schnauze gefallen wäre, nie enttäuscht worden wäre? Was wäre, wenn ich nie "schlimme" Dinge (mit)erlebt, gesehen hätte? Wäre ich dann heute der Mensch, der hier sitzt und sich über sowas Gedanken macht? Vermutlich nicht. Denn dann wäre mein Leben an mancherlei Punkten gewiss in eine ganz andere Richtung gegangen. Vielleicht würde ich dann jetzt irgendwo mit einer Horde Mädels in einem Café sitzen und darüber diskutieren, ob man Sandalen mit oder ohne Socken trägt oder welche Typ den tollsten Hintern hat. Und vermutlich hätte ich auch einen ganz anderen Freundeskreis.
Denn was auch immer man über die Menschen, die ich zu meinen Freunden zähle, sagen will, Oberflächlichkeit kann man ihnen nicht vorwerfen. Jeder einzelne von ihnen hat eben nicht nur die Sonnenseiten des Lebens gesehen. Aber was vielleicht viel entscheidender ist: (noch?) ist keiner von ihnen daran zerbrochen.

Es ist eine böse Wahrheit, dass uns Leid reifer macht, den Farben unseres Wesens mehr Glanz, unseren Worten mehr Tiefe verleiht. Sofern das Leid uns nicht ganz zerstört, uns allen Glauben und alle Hoffnung raubt und die Achtung vor den kleinen, doch unerläßlichen Dingen des Lebens.

Anne Rice bringt es damit meiner Meinung nach recht gut auf den Punkt. Ist es nicht so, dass schlechte Zeiten einen Menschen entweder über sich hinauswachsen lassen oder ihn zerstören? Und ist es nicht auch so, dass Menschen, die die Tiefen des Lebens kennen, die Höhen meistens viel besser auszuleben wissen? Und überhaupt sind es doch gerade sowelche Menschen, mit denen man die tiefgründigsten Gespräche führen kann, jenseits von allem oberflächlichen Small Talk.
Aushilfsheld - 15. Mai, 00:48

Vom Reißbrett auf die Weltmeere..

Komischerweise wird über tiefergehende Dinge nicht oder kaum geredet.
Zuerst kommt der Punkt, bei dem man alles auf die besagte Goldwaage legt
und dann gelangt man an die Barriere, hinter der jeder seinen Seelenschrott
für sich behält und bastelt selber daran rum. In gewisser find ich das
schon richtig so, da niemand dabei ist, dem ich all mein Innenleben voll
und ganz anvertrauen könnte, es bleibt auch zu bedenken, daß dies auch kaum
jemand verstehen könnte was mich bewegt und wie genau meine
Gefühlsmaschinerie funktioniert und wie tief sie ist.
Wenn es an der Zeit ist, sich zu öffnen, so geschieht das ganz von allein.
Naja, vermutlich sind das dann oft ganz wirre Installationen, kreuz und
quer verlaufende Rohrsysteme, an manchen Stellen leckgelaufen, an manchen
Stellen verstopft, verrostet, korrodiert. Einen Überblick zu bekommen ist
sicherlich nicht einfach und es bedarf die Rückverfolgung einiger
Leitungsrohre um sie wieder in Gang zu bringen. Da die Befürchtung nahe
liegt, daß andere, auch wenn sie nahe stehen, dort drin den Überblick
verlieren, gar nicht absichtlich, aber aufgrund mangelndem Verständnis,
läßt man es lieber gleich bleiben und trägt seinen Seelenschrott weiterhin
so mit sich rum. So empfinde ich das zumindestens...

HG

Dreh dich um,
dreh dich um.
Vergiß deine Schuld, dein Vakuum.
Wende den Wind, bis er dich bringt
weit zum Meer.
Du weißt, wohin.

...

Der Trend geht zum Zweit­blog.

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