Mittwoch, 4. November 2009

So

Lass es laufen, den Berg hinunter.
Lass es laufen, durch's Tal.
Gott hat dem Fluß diesen Weg gegeben,
sicher tut er's nicht noch mal.
Bitte lass ihn ungestört,
das Wasser weiß selbst wo es hingehört.

Keimzeit


Vermutlich ist es längst mal wieder an der Zeit aus dem Selbstmitleid aufzutauchen, zwei Schritte zurückzutreten und zur altbekannten und geliebten ironischen Distanz zurückzukehren.

Sonntag, 1. November 2009

...

Die letzten Tage waren von viel Konversation geprägt. Viel geredet, viel zugehört und einem Menschen dabei auf psychischer Ebene recht nahe gekommen. Irgendwie verbindet es doch, am frühen Morgen nebeneinander auf einem Bordstein zu sitzen und das ein oder andere Tränchen zu verdrücken.

Aber letztlich stellt sich dann heraus, dass genau diese Nähe vielleicht gar nicht so gut ist. Zumindest dann nicht, wenn man sich mit sich selbst noch nicht einig geworden ist, wie genau man zu dieser Person steht. Wenn man sich nicht sicher ist, ob man die Gefühle einfach erfolgreich verdrängt oder sich gar nur eingeredet hatte.
Wenn man dann aber den Fehler begeht und viel Zeit mit eben diesem Menschen verbringt, dann ist es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis sich der Gefühlwirrwarr wieder einstellt und man wieder genau da ist, wo man vor nicht einmal drei Monaten schon einmal war.

Freitag, 23. Oktober 2009

...

Es scheint irgendwie unausweichlich, dass irgendwann auch das letzte Bollwerk gegen die Humorlosigkeit dieser Welt fällt.
Das Haus, in dem seit ich denken kann der Schalk wohnte, ist plötzlich von Traurigkeit und Mutlosigkeit durchdrungen und mehr als einmal erwischte ich mich dabei, mit den Tränen zu kämpfen.
Vermutlich muss es verstörend und erschütternd sein, wenn Helden der Kindheit und Jugend plötzlich alt und gebrochen wirken. Aber trotzdem kann ich es immer noch nicht glauben, dass es mein - normalerweise so temperamentvoller - Opa war, der zusammengesunken auf dem Sofa sitzt oder rast- und kraftlos durch das Haus tigert.

Diagnose: Depression. Nichts was in meinen Ohren neu oder ungewohnt klingt, aber wie hart das wirklich ist, kann man wohl erst dann nachvollziehen, wenn es jemanden trifft, den man gut kennt.

Montag, 12. Oktober 2009

Gefühle? Gibt es da auch was von Ratiopharm?

Manche Situationen verdienen das Prädikat "skurril".
Es ist Samstag Nacht, kurz vor 4 und mir wird bevor wir ins Auto steigen zugeflüstert: "Du hast noch eine Quest, ne?"
Verwirrtes Blinzeln meinerseits. "Wie?" Man sieht mir vermutlich an, wie es in meinem Kopf rattert und dann macht es Klick. "Ach ja, habe ich." Ich bin dankbar für die zwei Gläser (enorm widerlicher) Pfirsichbowle und das Bier, die ich getrunken habe und lege mir verzweifelt einen Gesprächsanfang zurecht.
Der Questverteiler wird ordnungsgemäß zu Hause abgeliefert, ich richte es mir auf dem Beifahrersitz gemütlich ein. "B., ich habe ein Thema, über das wir Kommunikation betreiben können." (Großes Problem auf allen anderen Heimfahrten: Ein Gesprächsthema, dass die zwei Minuten Autofahrt vom Questverteiler zu mir füllen kann.)
An der roten Ampel werde ich fragend angeguckt. "Ach ja? Dann schieß mal los."
"Aaalso ..." Ich fummele nervös an dem Reißverschluss meiner Tasche herum, ringe mit den Worten, aber jetzt gibt es wohl kein Zurück mehr. "Dein Blick, wenn der Name "M." fällt ... irgendwie ... gefällt mir nicht."
B. gibt ein mittellanges Statement darüber ab, dass ihm die meisten Aktionen, die M. bringt nicht gefallen.
Ich nicke zustimmend, während ich durch die Heckscheibe starre und verzweifelt überlege, wie ich möglichst elegant auf das Kernthema zu sprechen komme. "Bist du dir sicher, dass das alles ist? Das da nicht mehr hinter steckt?"
"Ja."
"Bist du dir ganz sicher?"
"Ja. Worauf willst du eigentlich hinaus?" Mist. Dieser Mensch durchschaut mich immer viel zu schnell. Ich knete weiterhin meine Handtasche, druckse herum und schließlich bringt er es auf den Punkt: "Willst du wissen, ob ich Gefühle für I. habe?"
Während ich das bestätige biegen wir gerade in meine Heimatstraße ein. "Ich glaube, wir fahren noch eine Runde", sagt B. und ich gebe widerum mein Einverständnis. "So, um auf deine Frage zurück zu kommen: Nein, habe ich nicht."
Ich gucke ihn zweifelend von der Seite an. "Bist du dir da sicher?"
"Ja."
"Bist du dir ganz sicher?" Ich fühle mich schon ein bisschen penetrant, aber die Taktik scheint ja zu funktionieren.
"Ja. Das mit M. ist nur, weil .."
Ich falle ihm ins Wort. "Es geht nicht um M., es geht mir um dich. Um dein Herz."
Da geht er nicht weiter drauf ein. "Wie kommst du eigentlich drauf, dass da immer noch was ist?"
Wir kauen verschiedene Punkte durch und er entkräfitgt alle Indizien recht glaubwürdig.

Und doch: Restzweifel bleiben. Anscheinend nicht nur bei mir, denn als wir Herford einmal auf der Ost-West-Achse durchquert haben und auf die Umgehungsstraße abbiegen, sagt er: "Nein. Ich habe wirklich keine Gefühle mehr für sie." Mir gelingt es wohl nicht die Skepsis aus meiner Miene zu halten. "Oh, verdammt. Je öfter ich das sage, desto weniger glaubwürdig wird es oder?"
Ich brummele etwas unverbindliches und unterdrücke das Bedürfnis mich am Haltegriff festzuklammern, während er das Auto auf gefühlte 120 km/h beschleunigt.
Er wirft mir einen undeutbaren Blick zu ('Bitte, bitte, guck auf die Straße, wenn du schon so schnell fahren musst!'). "Ich bin vielleicht manchmal ein bisschen doof, aber ich mache den selben Fehler nicht zwei Mal."
Irgendetwas in mir zieht sich zu einem harten Knoten zusammen. Ich hasse es an den Seelenschrott anderer zu gehen. "Das hat nichts mit Dummheit zu tun. Gefühle und Intelligenz, das sind zwei Paar Schuhe."
Wir drehen uns noch eine Weile im Kreis, wechseln schließlich kurzfristig das Thema und kommen schließlich doch noch einmal drauf zurück. Ich erkläre etwas unbeholfen: "Na ja, eigentlich ist das ja nicht meine Art, mich ungefragt an den Seelenmüll anderer Menschen heranzuwagen, aber irgendwie ..." Ich scheitere daran den Grund meiner Sorgen in Worte zu kleiden.
"Ja, ich finde das wirklich fürsorglich ... nein, das klingt zu hochgestochen ... ich finde das wirklich nett, dass du dir Sorgen um mich machst. Aber du musst dir da wirklich keine Sorgen machen. Auch wenn ich doof bin, ich mache den selben Fehler nicht zwei Mal."
Während ich noch darüber nachdenke, ob mich diese Wiederholung misstrauisch machen sollte, fragt er mich scheinbar zusammenhangslos, ob ich ihn schon einmal richtig wütend erlebt habe. Ich mustere ihn abschätzend. "Nein, ich glaube nicht."
Er nickt und fühlt sich anscheinend bestätigt. "Siehst du? Ich verdränge sowas einfach."
Automatisch entfleucht mir meine standartisierte Antwort auf das Wort Verdrängung: "Verdrängen ist aber nicht gut."
"Ja, ich weiß. In letzter Zeit ist meine Haut auch verdammt dünn geworden."
Ich suche nach einer Antwort und stelle beim bewussten Blick aus dem Fenster fest, dass wir beinahe wieder bei mir zu Hause sind.

Den Rest der Fahrt verbringen wir schweigend und erst hinterher frage ich mich, ob das Verdrängen der Wut ähnlich gut funktioniert, wie das der Gefühle.

Dienstag, 6. Oktober 2009

Mit dem Rücken zur Wand

Was macht man eigentlich, wenn einem die Worte vor einer gefühlten Ewigkeit ausgegangen sind und scheinbar nicht mehr wieder kommen wollen?
Sollte man das einfach akzeptieren oder sollte man umso mehr um jedes Wort kämpfen und sich nicht damit abzufinden, dass einem irgendwie die Fähigkeit abhanden gekommen ist sich auszudrücken?
Eigentlich gibt es eine ganze Menge Gedanken zu sortieren, aber es geht einfach nicht.

Wenn das Licht dich verliert,
weil es dich nicht mehr spürt.
Doch du stehst da,
die Erde verbrannt,
noch immer da,
im Niemandsland.

Marius Müller-Westernhagen


Was macht man, wenn einen ohne erkennbaren Grund plötzlich der Herbstblues packt?
Was hat man für eine andere Wahl, als die sanfte Melancholie zuzulassen und zu akzeptieren, dass der Sommer vorbei ist?
Was macht man, wenn man irgendwie den Weg verloren hat, vielleicht auch nur den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht?
Genau: Man sagt sich, dass endlich einmal wieder der Hang zum Dramatisieren mit einem durchgegangen ist und zwingt sich einen Gang zurück zu schalten.

HG

Dreh dich um,
dreh dich um.
Vergiß deine Schuld, dein Vakuum.
Wende den Wind, bis er dich bringt
weit zum Meer.
Du weißt, wohin.

...

Der Trend geht zum Zweit­blog.

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